Logo Energie-Fachberater.de
Expertenrat

Wir haben im Altbau eine vermehrte Schimmelbildung festgestellt. Wie könnte eine kostengünstige und dauerhafte Lösung aussehen?

Frage von Andreas K. am 11.01.2016 

Wir haben in 2014 einen Altbau gekauft (BJ. 1958). Einen Schwarzanstrich hat das Gebäude zum Errichtungszeitpunkt nicht bekommen, da wir aufgrund der geographischen Lage kein Grundwasser befürchten müssen. Nun konnten wir jedoch in den vergangenen Monaten seit unserem Einzug ins eigene Heim eine vermehrte Schimmelbildung an Oberflächen von Gegenständen beobachten die in geringer Höhe (unterhalb 1m) abgestellt sind. Heute haben wir einen sog. Schimmel-Experten da gehabt, der uns aufgrund der Aussengeländegestaltung zu einer Bekämpfung mittels Verkieselung geraten hat. Er hat in diesem Zusammenhang die Wandfeuchte gemessen und bis zu einer Wandhöhe von etwa 1 m eine Feuchtigkeit von etwa 70% festgestellt.

Nun zu meiner Frage:
Ist eine Verkieselung nicht einfach nur eine zeitliche Verlagerung des Problems? Denn wenn ich das richtig verstanden habe, werden nur die Innenwände verkieselt!
Die Aussenwände bleiben indes feucht und bei Kälte angreifbar..!
Wie könnte eine kostengünstige aber dennoch dauerhafte Lösung aussehen? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Nun, die entscheidende Frage lautet: Welche Ursache ist für die Schimmelbildung maßgebend? Schimmel wächst immer dann, wenn das Substrat eine Kohlenstoffquelle (organisches Material) bietet und es einen ausreichend hohen Luftfeuchtewert unmittelbar über der Substrat-Oberfläche gibt bzw. das Substrat selbst feucht ist. Eine eindeutige bauliche Ursachenbestimmung ist aus der Ferne nicht möglich. Aus Ihren Hinweisen schlussfolgernd, nehme ich jedoch an, dass es sich nicht um aufsteigende Nässe im Keller- bzw. Erdgeschossmauerwerk handelt. Dabei gibt selbst die Angabe der Wandfeuchte keine ausreichend sichere Beweislage, da es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich um eine Messung der Oberflächenfeuchte handelt. Die Oberflächenfeuchte kann natürlich auch durch einem Defekt der Vertikal- bzw. Horizontalsperrung des Mauerwerks erhöht sein. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um Kondensatfeuchte, die infolge vergleichsweise hoher Raumluftfeuchtigkeit und schwacher Wärmedämmung auftritt. Bei schwacher Wärmedämmung der Außenwände kommt es zu sehr niedrigen Oberflächentemperaturen. Wenn nun bei winterlichen Bedingungen die Raumluftfeuchte oberhalb von 55 bis 60 % liegt (Messung mit dem Hygrometer) sind schon positive Waschstumsbedingungen für Schimmelpilz erreicht. Bei schwacher Wärmedämmung hat man im Raum außerdem eine extreme Temperaturschichtung mit einem unteren Wert um 15 °C und 25 °C unmittelbar unterhalb der Raumdecke. Ich schlage Ihnen vor, zunächst einmal über einige Tage die Raumluftfeuchte mit einem gut gehenden elektronischem Hygrometer zu bestimmen und dabei die Zusammenhänge zu den aktiven Lüftungsvorgängen zu beobachten. Lüften Sie jetzt im Winterhalbjahr (auch wenn es regnet) mindestens 4 bis 5 mal täglich für 5 Minuten. Eine Messung der Wandfeuchte (Tiefenmessung im Wandquerschnitt) ist sinnvoll und sollte von einem Ingenieurbüro vorgenommen werden. Wenn Defekte der Sperrschichten ausgeschlossen sind, sollten Sie eine innere Oberflächentemperaturerhöhung mittels einer Wärmedämmaßnahme in Angriff nehmen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

Handwerker-Suche

Finden Sie Energieberater, Handwerker und Sachverständige vor Ort

 
 

Newsletter-Abo