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Expertenrat

Wie kann ich die Außenwand an einem alten Haus gegen eindringende Feuchtigkeit diffusionsoffen abdichten?

Frage von Axel R. am 05.08.2021 

Wir haben an der Costa Blanca ein großes, altes Haus gemietet. Die Außenwand zur Nordseite ist im Winter immer feucht (auch innen), weil es keine Sonneneinstrahlung, dafür aber häufig Regen und hohe Luftfeuchtigkeit gibt. Den Mauerwerksaufbau kann ich nicht bestimmen, der Außenputz ist sehr alt und grob. Wie und mit welchen Produkten kann ich die Außenwand von außen beschichten, sodass die Feuchtigkeit nicht aufgenommen wird, aber die Diffusion von innen nach außen gewährleistet ist? Hier gibt es keine Fachleute für diese Problematik und jeder will seine teuren Injektionsverfahren verkaufen.

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Einem Injektionsverfahren sollte eine ingenieurmäßige Analyse der Feuchtigkeitsursachen vorweg gehen. Injektionsverfahren machen nur dann Sinn, wenn eindeutig feststeht, dass es sich um aufsteigende Feuchtigkeit infolge fehlender oder defekter Horizontalsperre handelt. Voraussetzung für den Erfolg des Verfahrens ist ein kapillar leistungsfähiger Wandaufbau, wie er z. B. bei Aufbauten mit normalen Mauerziegeln anzutreffen ist. Bei Natursteinwänden sind die Erfolgsaussichten deutlich eingeschränkt. Oftmals ist die Ursache für auftretende Feuchtigkeit auch nicht eine fehlende oder defekte Sperrschicht, sondern eine schwache Wärmedämmung der Außenwand.

Im Winter sind dann hier die Oberflächentemperaturen so niedrig, dass ein Teil der Feuchtigkeit der Raumluft an der inneren Wandoberfläche kondensiert und den Innenputz durchfeuchtet. Ein solcher Kondensationsvorgang ist auch auf der Außenseite zu beobachten, und zwar dann, wenn das Mauerwerk nach ein paar kalten Tagen ausgekühlt ist und wärmere Luftmassen mit hoher Luftfeuchtigkeit auf die Wände treffen. Wände ohne Sonneneinstrahlung sind davon häufiger betroffen. Kommt nun noch Regen dazu, wird bei nicht mehr funktionierendem Außenputz die Wand von außen - je nach Mauerwerksaufbau - mehr oder weniger stark durchfeuchtet.

Sollten die erwähnten Prozesse als Ursache auszumachen sein, hilft nur eine verbesserte Wärmedämmung und ein neuer wasserabweisender Außenputz. Die Wärmedämmung ist vorzugsweise von außen aufzubringen, kann aber auch als Innendämmung ausgeführt werden.

Eine Einschränkung der Diffusionsfähigkeit der Wand ist unschädlich, wenn von normaler Wohnraumnutzung und ausreichender Be- und Entlüftung ausgegangen wird. Ich empfehle zusätzlich eine einfache Be- und Entlüftungsanlage einzubauen, um ein Überschießen zu hoher Werte der Raumluftfeuchtigkeit zu vermeiden. Erfahrungen bei der Auswahl eines Außenputzes für Häuser in dem betreffenden Gebiet habe ich nicht, jedoch können sicher die dortigen Baubetriebe bzw. besser noch Ingenieurbüros mit entsprechenden Erfahrungen (Meerluft, salzhaltig) dienen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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