Ich habe ein Haus aus den 1960ern mit ca. 140 m² Wohnfläche (eventuell kommen noch 20 m² hinzu, falls ich einen Anbau erstelle) und werde es ökologisch sanieren. Geplant ist eine möglichst autarke Versorgung, allerdings sollen auch die laufenden Kosten so gering wie möglich ausfallen.
Können Sie mir Infos geben, was ich für eine autarke Versorgung beachten muss bzw. an wen ich mich wenden kann?
Schreiben Sie mir bitte auch, wenn Sie von bestimmten Dingen abraten oder bessere Alternativen haben.
Geht es um die Sanierung zum hochgradig autarken Gebäude, ist ein ganzheitliches Herangehen besonders wichtig. Neben der Art der Energieerzeugung spielen dabei auch die Nutzung passiver Wärmegewinne (Sonnenschein im Winter) und der Wärmeschutz eine wichtige Rolle. Letzterer sollte möglichst gut sein, um den Wärmebedarf auf ein Minimum zu reduzieren. Das erlaubt es, umweltfreundliche Heizungsanlagen einzubauen und weitestgehend autark zu versorgen.
Eine Möglichkeit bietet dabei die erwähnte Wärmepumpe, deren Stromverbrauch sich anteilig mit Strom aus der Photovoltaikanlage decken lässt. Da dieser im Winter rar ist, lohnen sich vor allem Sole- oder Wasser-Wärmepumpen, die Umweltwärme bereits mit einem sehr hohen Temperaturniveau beziehen. Luft-Wasser-Wärmepumpen nehmen in der Heizperiode sehr kalte Luft auf und benötigen mehr Strom, um die Umweltwärme zum Heizen nutzbar machen zu können.
Günstig sind Sole- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen auch im Sommer. Denn hier ermöglichen sie die passive Kühlung ohne Wärmepumpenkreislauf. Das Heizungswasser nimmt dabei Wärme aus dem Haus auf, die es ohne Kompressor etc. an die Sole überträgt. Letztere gibt diese daraufhin an das kühlere Erdreich ab, wenn es in Sonden, Flach- oder Grabenkollektoren hindurchfließt.
Voraussetzung für die effiziente Heizung und die passive Kühlung mit einer Wärmepumpe ist eine großflächig verlegte Flächenheizung: Diese überträgt Wärme in der Heizperiode mit niedrigen Vorlauftemperaturen an die Wohnräume (gut für die Effizienz der Wärmepumpe) und nimmt thermische Energie in der Kühlperiode schonend auf.
Um die Heizung auch im Winter mit viel Solarstrom versorgen zu können, sollten die PV-Module möglichst steil stehen. Im Sommer ernten Sie auf diese Weise ebenfalls genügend Strom, da die Fläche mit 100 m² ausreichend groß bemessen ist.
Nachteil der PV-Anlage ist, dass sich Strom kaum saisonal speichern lässt. Für den Sommer ist ein Stromspeicher zu empfehlen, um sich komplett autark zu versorgen. Auch die Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung ist dabei günstig. Denn diese reduziert den Wärme- und damit auch den Strombedarf der Heizung in der kühlen und milden Jahreszeit. Gleiches gilt für einen wasserführenden Kamin, der Heizung und Warmwasserbereitung (je nach Einbindung) in Ihrem Fall nahezu kostenfrei mit Wärme versorgt. Im Sommer erledigt die Solarthermie die Warmwasserbereitung meist allein, sodass Sie elektrische Energie im Haushalt und optional auch für ein E-Auto verwenden können.
Ein Wasserstoffspeicher ist in dieser Kombination nicht sinnvoll. Anders wäre es mit einer Brennstoffzellenheizung. In diesem Fall wandelt ein Elektrolyseur Wasser mit Solarstrom in Wasserstoff und Sauerstoff um. Der Wasserstoff wird anschließend verdichtet und in 300 bar Gasflaschenbündeln bevorratet. Möglich ist das über einen längeren Zeitraum hinweg, bis sie den Wasserstoff mit einer Brennstoffzellenheizung in Strom und Wärme umwandeln. Das System ermöglicht bei optimaler Dimensionierung eine weitestgehend autarke Versorgung ohne laufende Ausgaben, kostet für Einfamilienhäuser insgesamt aber auch zwischen 50.000 und 70.000 Euro.
Eine Lüftungsanlage ist nicht immer erforderlich. Alternativ können Sie über die Fenster lüften oder eine Alternative (Querlüftung, Schachtlüftung etc.) ohne Ventilator installieren.
Die Warmwasserversorgung über den Brunnen ist günstig, sofern dieser Trinkwasser liefert. Für Garten und Spülung könnten Sie zudem auch Regenwasser nutzen, das in einer Zisterne unter der Erde oder im Haus lagert. Ein Regenwassermanager verbindet beide Systeme (Brunnen und Zisterne) und lässt immer dann Trinkwasser in die Zisterne laufen, wenn deren Füllstand einen zuvor eingestellten Wert unterschreitet.
Unsere Tipps sind allgemein. Ob sich die Ansätze in Ihrem Fall umsetzen lassen und was dabei zu beachten ist, weiß ein Energieberater aus Ihrer Region. Dieser erstellt ein ganzheitliches Konzept. Er ermittelt Kosten sowie Einsparungen und gibt Aussagen zur Wirtschaftlichkeit. Das Besondere daran: Mit Zuschüssen in Höhe von 80 Prozent vergibt der Staat eine Förderung für die Energieberatung.
Laden Sie sich unsere Anleitung zur Förderung herunter - da werden in einem interaktiven eBook alle Förderalternativen beschrieben und Schritt für Schritt der Weg zur maximalen Förderung aufgezeigt.
Pauschale Angaben zu den Kosten der einzelnen Komponenten und Maßnahmen sind aktuell nicht möglich. Diese erhalten Sie nur im Rahmen eines individuell kalkulierten Angebots. Angebote von Handwerkern aus Ihrer Region bekommen Sie dabei kostenfrei und unverbindlich über unser Online-Angebotstool für die Sanierung.