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Expertenrat

Wie kann die oberste Geschossdecke in einem alten Haus richtig gedämmt werden?

Frage von Johannes  H. am 13.10.2016 

Um unser etwa 100 Jahre altes Gebäude mit drei Wohnetagen energetisch zu sanieren, wollen wir zunächst die oberste Geschossdecke dämmen.

Gestern schauten wir unter die Dielen. Mein Sohn und ich entdeckten einen Hohlraum. (Die Energieberater hatten diese übersehen.)
Kann man den Hohlraum unter dem 2. Boden dämmen? Aufbau des Dachbodens:

1) Rauspund ca. 19 mm
2) Geröll: Steinchen, Dachziegel… ss staubt
3) Bretter, die mit Stroh-Lehm abgedichtet sind
4) Darunter etwa 8 cm Hohlraum;
5) Bretter als Decke des Dachgeschosses

Reichen 8 cm Zellulose für den sommerlichen Hitzeschutz oder müssen wir die ca. 6 cm Schutt oder Geröll, also die 2. Schicht, ausräumen?

Welche Heizung empfehlen Sie? Welche wasserführenden Kaminöfen und Herde haben sich bewährt? 

Antwort von Andreas Skrypietz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)  

Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht, den vorhandenen Hohlraum in der Decke für die Dämmung zu nutzen. Und wie immer kommt bei dieser Art von Einleitung ein aber: Der von Ihnen beschriebene Hohlraum von 8 cm reicht leider nicht aus. Wenn Sie einen spürbaren sommerlichen Wärmeschutz und auch eine wirksame Dämmung im Winter haben wollen, sollte die Dämmstärke so bemessen sein, dass die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) erfüllt werden. Der U-Wert der gedämmten obersten Geschossdecke sollte 0,24 W/m²K nicht überschreiten. Um dies zu erreichen, benötigen Sie beim Dämmstoff Zellulose eine Dämmstärke von 20 cm!


Die Balkenlage Ihrer obersten Geschossdecke ist wahrscheinlich 16 cm bis 18 cm stark. Selbst wenn Sie diese komplett mit Dämmstoff verfüllen, reicht dies nicht aus. Höchstwahrscheinlich benötigen Sie dann bei dieser Konstruktion noch eine Dampfbremse, die aber zwischen der Schalung, die die Decke der Räume bildet, und dem Dämmstoff eingebaut werden müsste. Insgesamt ein hoher Aufwand, der zudem nicht ausreicht, die Anforderungen der aktuellen EnEV in diesem Bereich zu erfüllen. Sie müssten zusätzlich noch eine Dämmschicht auf die Balkenlage aufbringen.


Wäre es da nicht einfacher, Sie dämmen die oberste Geschossdecke gleich oberhalb der bestehenden Balkenlage? Sie ersparen sich das Ausbauen der alten Füllung und können die obere Geschossdecke optimal dämmen.


Für den sommerlichen Wärmeschutz ist die Dämmung nur ein Faktor unter mehreren. In welche Himmelsrichtung weisen die Fenster der Räume unter der zu dämmenden obersten Geschossdecke? Was für Fenster sind Dies? Traditionelle Isolierverglasung, Wärmeschutzverglasung oder schon dreifach verglaste Fenster? Gibt es Verschattungseinrichtungen und wo sind diese angebracht – außen oder innen? Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidender für die Berechnung des sommerlichen Wärmeschutzes als die Leistungsfähigkeit einer Dämmung, wohlgemerkt: Dies gilt nur beim sommerlichen Wärmeschutz!


Da ich von Ihrem Haus nur Ihre Beschreibung der obersten Geschossdecke kenne, möchte ich keine Aussage zu irgendeinem Heizungssystem in diesem Zusammenhang machen. Denn dazu müsste ich sowohl das Gebäude als auch Ihre Sanierungsziele, Herr Hanel, genauer kennen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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