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Expertenrat

Welches Material eignet sich zur Dämmung eines Dachgeschosses mit Pappdocken?

Frage von Alfred B. am 16.10.2016 

Ich möchte im Dachgeschoss einen Raum ausbauen. Die Dachschräge ist mit verputztem Heraklith beschichtet. Dann folgt ein Zwischenraum bis zu den Pappdocken und den Dachpfannen. Ich komme vom Spitzboden an die Zwischenräume. Der Abstand zwischen Heraklith und Dachpfanne beträgt 12 cm. Welche Dämmung kann ich verwenden? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Sie werden zu Ihrer Frage verschiedene Antworten hören. Das liegt einerseits an den verwendeten Pappdocken, die wenig verbreitet, nur im norddeutschen Raum eine Zeit lang in größerem Maße verwendet wurden. Andererseits gibt es nach wie vor zahlreiche Unklarheiten bezüglich der mit den Begriffen Winddichtheit und Luftdichtheit verbundenen Ausführungsdetails im wärmegedämmten Dach. Pappdocken werden zudem heute kaum noch verwendet. Es gibt daher wenig Erfahrungen zum Thema Dämmung. In heute üblichen Konstruktionen werden Pappdocken durch ein Unterdach mit Unterspannbahn oder Holzfaserdämmplatten ersetzt.

In der Regel wird das Unterdach heute diffusionsoffen und winddicht ausgeführt, sodass die gedämmte Dachkonstruktion auch zur Kaltseite hin Wasserdampf wieder abgeben kann. Die Winddichtheit der Unterdächer verhindert eine Durchströmung von Dämmstoffen (Mineralwolle), die sonst wirkungslos werden. Auch Winddichtheit ist bei einem mit Pappdocken vorgedeckten Dach nicht sicher vorauszusetzen.

Eine sichere Variante (inclusive Gewährleistung) ist daher nur eine Neueindeckung bzw. Umdeckung mit Einbau eines winddichten und diffusionsoffenen Unterdaches. Eine Dämmung könnte hierbei aus Mineralwolle, anderen faserartigen Dämmstoffen oder Zellulose bestehen. Raumseitig gibt es bei dem von Ihnen geschilderten Aufbau keine erkennbaren Probleme. Bei den geputzten Heraklith-Platten können Sie von ausreichender Diffusionsfähigkeit bei raumseitiger Luftdichtheit ausgehen. Dampfbremsen werden raumseitig nicht benötigt.

Eine Möglichkeit, die sich aus der vorhandenen Luftdichtheit der Konstruktion ergibt, sehe ich im Einblasen von Zellulosedämmstoff in den vorhandenen Hohlraum. Es besteht allerdings das Risiko, das die Pappdocken nicht überall dicht zusammenkleben, so dass bei starkem Wind ggf. Regenwasser oder Flugschnee in die Dämmung eindringt. Die Zellulose geht damit bei geringen Mengen aber relativ tolerant um, wenn mindestens die Raumseite ausreichend diffusionsoffen ist. Dies lässt rasche Rücktrocknung zu. Dennoch wird diese Lösung von einem Fachbetrieb kaum angeboten werden (Gewährleistung!).

Mit gleichen Einschränkungen möglich erscheint mir die Verwendung eines schüttfähigen Dämmstoffes. Wenn dieser wasserabweisend eingestellt ist (wie z.B. Hyperlite), sollte diese Konstruktion auch bei einer nicht hundertprozentigen Winddichtheit funktionieren. Denn auch hierbei gilt: Die innere Luftdichtheit ist genauso wie die Rücktrocknungsmöglichkeit gegeben.

Eine weitere sichere Variante wäre auch der Aufbau einer Innendämmung auf den geputzten Heraklithplatten, z.B. mit PU-Schaumplatten.

Wenig Erfolg wird dagegen eine Dämmung des Hohlraumes mit faserartigen Dämmstoffen haben, da man die Matten meist nicht über die gesamte Länge hineinrutschen lassen kann (Nägel, Späne).

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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