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Expertenrat

Ist die Fassadendämmung mit Mineralwolle umweltfreundlich und ökonomisch sinnvoll?

Frage von Karlheinz S. am 04.03.2022 

Es handelt sich um ein vierstöckiges Wohngebäude mit 18 Wohnungen aus dem Jahr 1992. Die Fassadenisolation besteht aus 8 cm EPS Hartschaum (Styropor). Vermutlich ist kein Brandriegel vorhanden. Die Fassade soll durch eine zusätzliche Isolation auf der bestehenden mit 8 cm verstärkt werden. Es ist vorgesehen, dies mit einem umweltfreundlichen Naturprodukt Mineralwolle vorzunehmen. Ist dies eine moderne,  ökonomische und ökologische Lösung? Gibt es Alternativen? Aufgrund der Fassadenbrände wollen wir von EPS-Hartschaum Abstand nehmen.

Antwort von ENERGIE-FACHBERATER  

Mineralwolle besteht aus Stein oder Glas, hat sehr gute Brandschutzeigenschaften und im Vergleich zu anderen Dämmstoffen einen vergleichsweise niedrigen Primärenergieverbrauch. Dieser liegt je nach Ausführung bei 150 bis 500 kWh/m³, wohingegen EPS Hartschaumplatten einen Primärenergieverbrauch von 200-760 kWh/m³ haben und auf dem fossilen Erdölraffinerie-Produkt Styrol basieren. In Bezug auf die Dämmwirkung erreichen beide Stoffe ähnliche Eigenschaften, wodurch sich die erforderliche Stärke der Fassadendämmung nicht wesentlich unterscheidet.

Zu den nachhaltigen Dämmstoffen für eine WDVS gehören außerdem Holzfaserdämmplatten, deren Herstellung mit einem Primärenergieverbrauch von 600 bis 1.500 kWh/m³ jedoch mehr Energie benötigt. Die Dämmwirkung ist etwas geringer, wodurch in der Regel stärkere Schichten erforderlich sind, um mit der Fassadendämmung den gleichen Wärmeschutz zu erreichen.

Ökologisch ist die Dämmung in aller Regel als positiv zu bewerten, da sie den Energieverbrauch reduziert und somit langfristig zur Einsparung von CO2 beiträgt. Die Heizkosten sinken und Bewohner profitieren zudem von einem höheren Komfort durch wärmere Umschließungsflächen.

Ob sich die Maßnahme wirtschaftlich lohnt, hängt neben den Einsparungen auch von den individuellen Kosten der Fassadendämmung ab. Eine zuverlässige Aussage lässt sich daher nur im Rahmen einer individuellen Planung/Beratung geben. Ansprechpartner dazu finden Sie über unsere Energieberater-Datenbank oder über die Energie-Effizienz-Experten-Liste des Bundes.

Denken Sie daran, dass es in Deutschland eine attraktive Förderung der Fassadendämmung gibt. Laden Sie sich unsere Anleitung zur Förderung für die Fassadendämmung herunter - da werden in einem interaktiven eBook alle Förderalternativen beschrieben und Schritt für Schritt der Weg zur maximalen Förderung aufgezeigt.

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Kommentare

Karlheinz S.

Für Ihre klare, fundierte Antwort vom 04.03.22 möchte ich mich herzlich bedanken. Da Sie es nicht speziell erwähnt haben, gehe ich davon aus, dass die Mineralwolle-Platten direkt auf die bestehe EPS Fassadendämmung aufgebracht werden. Können Sie dies bitte bestätigen?

ENERGIE-FACHBERATER 

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Die Mineralwolldämmplatten lassen sich beim Aufdoppeln des WDVS direkt auf die bestehende Oberfläche aufbringen. Fachhandwerker verkleben die Platten dabei vollflächig. Zusätzlich befestigen sie diese mit Dübeln im tragenden Mauerwerk - also durch das bestehend WDVS hindurch. Die Stöße der neuen Dämmplatten sind dabei versetzt zu den vorhandenen anzuordnen.

Bevor Sie mit der Sanierung beginnen, ist die Tragfähigkeit des bestehenden Dämmsystems zu prüfen. Unter Umständen muss der vorhandene Putz von den Platten gelöst werden. Ist das der Fall, schneiden Fachhandwerker den Putz von oben nach unten ein, um ihn von der Wand abzuziehen - Experten sprechen dabei auch vom Strippen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 
 

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