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Expertenrat

Wir sanieren unseren Altbau von Grund auf und haben jetzt in der Rohbauphase Schimmel. Was können wir tun?

Frage von Yvonne N. am 21.12.2014 

Unser Altbau befindet sich derzeit in einer Grundsanierung inkl. Dämmung. In einem der Räume konnte wir bereits während der Rohbauphase schwarze Verfärbungen in der Zimmerecke erkennen, alle unsere Gewerke haben jedoch Schimmel ausgeschlossen, da der Rohbau ja durchlüftet wäre. Nun sind seit ca. 2 Wochen die Fenster eingebaut und in dieser Zeit hat sich der Schimmel in diesem Raum rasend schnell ausgebreitet und lässt sich nun nicht mehr verleugnen. Die Frage hier ist: Was können wir tun? Wie gehen wir weiter vor? Aufgrund der offenen Gestaltung des Grundriss befürchten wir einen weiteren Befall aller Räumlichkeiten. Hinweis: ab morgen soll die Heizung laufen.

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Schimmelbildung während der Bau- bzw. Sanierungsphase ist bei der heutigen raschen Bauweise nichts Ungewöhnliches. Vor allem dann, wenn wie in den letzten Wochen der Fall, bei milden Temperaturen die Luftfeuchtigkeit der Außenluft hoch ist und das Gebäude nicht beheizt werden kann. Zusammen mit der durch Baumaßnahmen ins Haus getragenen Feuchtigkeit (im Anmachwasser für Putze, Estriche, Betonteile, Farben und für Reinigungsvorgänge) erreicht die Luftfeuchtigkeit rasch kritische Werte, die den Schimmelwuchs ermöglichen. Die Durchlüftung des Hauses hilft hier wenig, wenn sich die kühle Außenluft im Hausinneren nicht erwärmen kann. Insofern sollten Sie der Sache relativ gelassen gegenüber sehen, denn mit der Inbetriebnahme der Heizungsanlage besteht die Chance, die Neubildung von Schimmel zu stoppen. Dazu sollten Sie die Heizung allerdings in allen Räumen voll laufen lassen. Öffnen Sie in jeder halben Stunde die Fenster der Räume für 3-5 Minuten zur Stoßlüftung (je kälter es ist um so kürzer). Lassen Sie dabei, wenn möglich, vorhandene Türen der zu lüfteten Zimmer geschlossen. Kühle Außenluft kann, auch wenn es regnet, nach der Erwärmung im Raum wieder in Oberflächen eingelagerte Feuchtigkeit aufnehmen. Dazu muss die eingeflossene  Kaltluft die Chance bekommen, sich am Heizkörper bzw. erwärmten  Oberflächen zu erwärmen. Beobachten Sie dabei die Luftfeuchtigkeit, indem Sie digitale Hygrometer anschaffen. Von hohen Werten um 80 % bis 90 % sollte sich die Luftfeuchtigkeit allmählich in Richtung 60 % entwickeln. Das geht alles nicht an einem Tag und wird unter Umständen mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Mit der Schimmelbekämpfung würde ich erst beginnen, wenn die Raumluftfeuchtigkeit auf 60 % und darunter angekommen ist. Zur Bekämpfung würde ich ein Mittel auf Wasserstoffperoxid-Basis verwenden, welches nach dem Entfalten der Wirkung in Wasser zerfällt und so keine zusätzlichen Luftschadstoffe in die Räume einbringt.

Übrigens: Mit einer angebrachten Dämmung hat die Bildung von Schimmel nichts zu tun, auch wenn dies gelegentlich so dargestellt wird. Allerdings kann die Dämmung ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn es etwas zu dämmen gibt, also wenn das Haus beheizt wird.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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