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Expertenrat

Welche Dachdämmung ist für ein ungedämmtes Spitzdach (Baujahr 1960) ideal?

Frage von Lorenz S. am 17.09.2014 

Ich möchte mein Dach dämmen, Spitzdach Baujahr 1960, momentan keine Dämmung vorhanden, so dass man die Ziegel von innen sieht. Sparren sind 14cm, Abstand 55cm, Dicke 8cm. 

Ich würde 200mm Dämmung nehmen mit den entsprechenden Folien. Problem was ich habe: wenn ich das in den U-Wert-Rechner eingebe: Feuchteschutz benötigt 118 Tage für die Trocknung und ich komme nicht auf die 3%.


Was kann ich machen?

Wäre alternativ denkbar ohne aufdoppeln 14cm Glaswolle sowie dann noch 20mm Styropor und dann die blaue Folie von innen? Was würde das für einen U-Wert ergeben? Weil die 20mm dann auch über die Sparren gedämmt sind kann man das nicht darstellen im Rechner. Wie würde in diesem Fall der Feuchteschutz aussehen? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Der Einbau von Dämmstoff in ein Dach, bei dem Sie die Ziegel von innen sehen können, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Ich gehe bei der Beantwortung Ihrer Fragen davon aus, dass Sie zukünftig das bisher ungenutzte Dachgeschoss bewohnen, d.h. auch beheizen wollen.


Geht es jedoch darum, die Dämmung des Gebäudes nach oben zu verbessern, ohne das Dachgeschoss bewohnen zu wollen, wäre die Dämmung der obersten Geschossdecke der richtige und einfachere Weg. In diesem Fall reicht es bei einer luftdichten Massivdecke aus, den Dämmstoff lückenlos aufzulegen. Dabei sollten die Mauerkronen bis in den Dachkasten hinein mit überdämmt werden. 200 mm ausgerollte Mineral- oder Glaswolle ohne aufkaschierte Folien sind eine einfache Lösung - und was die Dämmstoffdicke anbelangt das Minimum. Muss die Decke ganz oder teilweise begehbar bleiben, können Sie begehbare Dämmelemente aus Schaumpolystyrol oder Polyurethanschaum mit aufgeklebter, lastverteilender Spanplatte verwenden. Folien aller Art sind in beiden Konstruktionen nicht sinnvoll. Auch eine Holzbalkendecke kann so gedämmt werden, jedoch muss zusätzlich auf die Luftdichtheit der Decke (von unten gesehen) geachtet werden.


Wird das Dachgeschoss, wie angenommen, für Wohnzwecke ausgebaut, muss die Dämmung zwischen oder unter den Sparren angebracht werden. Da Ihnen ein regen- und winddichtendes Unterdach gegenwärtig noch fehlt, muss dieses für die Zeit bis zu einer Neueindeckung nachträglich von innen eingebaut werden. Ein Verzicht kann bei Ziegelbruch, Windschaden oder eindringenden Flugschnee böse  Folgen haben. Für die nachträgliche Ausführung des Unterdaches gibt es  Möglichkeiten ohne dass die Ziegel entfernt werden müssen.


Haben Sie keine Platzprobleme, würde ich eine Dämmung unter den Sparren in Erwägung ziehen. Der Aufbau wäre in der Reihenfolge von außen (kalte Seite) nach innen (warme Seite):

1. diffusionsoffenes, regen und winddichtendes Unterdach (imprägnierte Holzfaser-Dämmplatten, Unterspannbahn o.ä.) unter den Sparren anbringen,

2. vollflächige, mind. 200 starke Dämmung (Schaumpolystyrol, Mineralwolle, Holfaserdämmplatten, Zellulose o.ä.) in entsprechender Haltekonstruktion aus Holz einbauen,

3. luftdichtende Dampfbremse verlegen (feuchtevariabel, OSB-Platte o.ä., Beachten:  je nach Dämmstoff muss der Dampfbremswert kleiner oder größer sein, die Herstellung der Luftdichtheit ist ein Muss bei allen Dämmstoffen),

4. dann ggf. Installationsebene mit Konstruktions-Unterlattung anbringen, ohne die Luftdichtheit zu zerstören,

5. raumseitigen Abschluss, z.B aus Gipskarton-Platten ausführen.


Sind Sie aus Platzgründen gezwungen bereits den Zwischenraum der Sparren zu dämmen, sieht ein möglicher Aufbau etwas anders aus. Das unter 1. genannte Unterdach kann durch das genaue Einpassen von imprägnierten Holzfaserdämmplatten oder das Einbringen von Bahnen aus diffusionsoffener Unterspannbahn (an den Seiten jeweils mit Dachlatten befestigen) erzielt werden. Dabei sollte zwischen der Unterseite der vorhanden Dachlatten und der eingebrachten  Unterdeckung ein Mindestabstand von etwa 3-4 cm eingehalten werden.  Um ggf. eindringendes Wasser besser zum Ablauf zu bringen, kann eine etwa 4-5 cm starke Dachlatte mittig eingeschoben werden um so den Ablauf vom Sparren weg zu erzwingen. Um auf 200 mm Dämmstoff zu kommen sind anschließend noch entsprechend starke Bretter an den Sparren zu befestigen. Eine Überdämmung der Sparrenunterseite ist gut und unkritisch. Das kann auch gut mit einer Lage aus Schaumpolystyrol gemacht werden. Zwischen die Sparren baut man jedoch besser Mineralwolle als Klemmfilz oder Dämmkeile ein. Der weitere Aufbau ist mit der zuerst genannten Variante ab Punkt 3. identisch.


Die tatsächlich resultierenden U-Werte sind abhängig von der gewählten Konstruktion und den eingesetzten Dämmstoffen. Das gilt auch für die Entfeuchtungsgeschwindigkeit. Wenn die Aufbauhinweise so umgesetzt werden können, sollte nach meiner Erfahrung jedoch kein Risiko bestehen und alles schön trocken und warm bleiben.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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