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Expertenrat

Wie kann ich eine einschalige Außenwand nachträglich richtig dämmen?

Frage von Daniel H. am 18.09.2014 

Wir müssen im Haus meines Bruders eine Außenwand dämmen. Es handelt sich um eine ungedämmte einschalige Wand, durch die natürlich im Bereich der Fugen Außenluft einströmt. Nun wäre meine Frage: Wie stellt man Wandaufbau/Vorsatzschale vernünftig her? Sollte man die Wand auf der Innenseite komplett putzen lassen um die luftströmung auszuschalten, und dann eine Vorsatzschale 20cm mit KVH Ständerwerk und Holzfaserdämmung im Abstand von ca.2 cm zur Wand, einseitig mit OSB und GK einbauen? Oder wäre das grundlegend falsch?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Die von Ihnen angedachte Innendämmung ist eine gute Lösung, wenn eine Außendämmung nicht in Frage kommt. Im von Ihnen skizzierten Aufbau sind jedoch Änderungen erforderlich. Bitte versichern Sie sich jedoch zunächst, dass die zu dämmende Wand trocken ist. Sie darf vor allem keine aufsteigende Feuchtigkeit aufweisen. Voraussetzung dafür ist eine funktionsfähige horizontale Sperrschicht, die diese Aufgabe auch noch lange Zeit erfüllt.


Der Information, dass im Bereich der Fugen Außenluft einströmt, entnehme ich, dass es sich um eine Fachwerkkonstruktion handelt. In diesem Falle muss auch die Schlagregenbelastung von außen als mögliche Durchfeuchtungsquelle zukünftig sicher ausgeschlossen werden. Bevor Sie also an die Realisierung der Innendämmung gehen, müssen Sie sich mit einer sicheren, regenabweisenden Außenschale beschäftigen. Die dafür eingesetzten Materialien und der Aufbau darf die Wasserdampfdiffusion nach außen jedoch nicht behindern. Es wäre angebracht, zunächst eine windabweisende, diffusionsoffene Unterspannbahn anzubringen. Danach kann ein Traglattung und eine entsprechende wasserabweisende Außenschale aufgebracht werden. Bei dieser Ausführung können Sie sich das Putzen der Innenseite sparen.


Der Luftdichtheit kommt bei einer Innendämmung große Bedeutung zu. Entscheidend ist dabei die luftdichte Ausführung auf der warmen Seite der Konstruktion, also der raumzugewandten Seite. An keiner Stelle darf warme, meist feuchteangereicherte Raumluft in den Schichtenaufbau der Innendämmung gelangen. Ich würde Ihnen daher alternativ folgenden Vorschlag unterbreiten: Bringen Sie die Holzfaserdämmplatten mit einem produktgerechten Klebemörtel direkt auf die zu dämmende Wand. Eine Luftschicht zwischen Wand und Dämmmaterial ist nicht vorzusehen. Ist die Innenseite lückenlos gedämmt, können Sie die Holzfaserdämmplatte mit eingelegtem Armierungsgewebe putzen (Lehmputz, Kalkputz o.ä.). Damit erreichen Sie einen raumseitig luftdichten Abschluss. Eine zusätzliche Dampfbremse ist in der Regel nicht erforderlich. Bitte dämmen Sie auch die Fensterlaibungen mit der maximal möglichen Dämmstoffstärke.


Wenn Installationen erforderlich sind (was bei einer Innendämmung vermieden werden sollte), muss die Holzfaserdämmplatte mit Spezialklebebändern an den Stößen luftdicht abgeklebt werden. Alternativ dazu kann ein luftdichtendes Gewebematerial, an den Überlappungen sicher verklebt, ganzflächig aufgebracht werden. Eine anschließend aufgeschraubte Lattenkonstruktion bildet einen Hohlraum für Installationen und gleichzeitig die Grundlage für eine Verkleidung mit OSB- oder Gipskartonplatten.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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