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Expertenrat

Worauf ist bei der Dämmung von Fachwerk zu achten?

Frage von Alexander  B. am 23.10.2016 

In unserem Haus gibt es über dem Balkon im 1. Stockwerk eine Fachwerkkonstruktion, die wir diesen Sommer haben dämmen lassen. Hinterher wurde mir erst klar, wie heikel eine solche Maßnahme ist. Es wurden Holzdämmplatten benutzt. Als Unter- und Armierungsputz wurden jeweils Produkte mit einer Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl ≤ 20 und 25 benutzt. Die Fassadenfarbe ist StoColor Silco G mit einer Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von 420. Ist diese Konstruktion insgesamt ausreichend diffusionsoffen? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Sicher macht Ihnen das bauphysikalische Mantra etwas Bauchschmerzen, nachdem es von innen nach außen diffusionsoffener zugehen sollte. Nun es geht hierbei um Diffusionswiderstände, nicht um die Diffusionswiderstandszahl. Die Zahl muss mit der Schichtdicke multipliziert werden, ehe man den Widerstand erhält, der dem Wasserdampf entgegen wirkt (auch äquivalente Luftschichtdicke genannt).

Bei der Farbe kommen wir mit einer Schichtdicke von 0,3 mm auf einen Diffusionswiderstand von ca. 0,126m. Das ist ein Wert, der im gedämmten Dach noch als diffusionsoffen angesehen wird. Die verwendeten Putze kommen bei einer Schichtdicke von 8 mm auf einen Diffusionswiderstand von ca. 0,2m (0,008 m x 25). Für Holzfaserdämmplatten wird überwiegend eine Diffusionswiderstandszahl von etwa 5 angegeben. Bei 10 cm starken Holzfaserdämmplatten kommen Sie also auf einen Diffusionswiderstand von etwa 0,5m.

Mit dem bei Ihnen vorhandenen Schichtenaufbau würden Sie also gegen ein Urprinzip nicht verstoßen. Allerdings hätte ein Anstrich auf Basis von Wasserglas (Silikatputz) einen noch geringeren Diffusionswiderstand aufweisen können, womit die Fehlertoleranz der Konstruktion zunimmt. Immerhin würde durch deutliche dickere Schichten der verwendeten Silikonharzfarbe das Risiko der Dampfblasenbildung zunehmen.

Für wichtig halte ich in diesem Zusammenhang noch folgenden, meiner Meinung nach bedeutsameren Aspekt: Bei der Ausführung der Wärmedämmung auf Fachwerk muss auf Luftdichtheit geachtet werden. Es darf weder zu Luftströmungen (Außenluft) zwischen Dämmstoff und Fachwerkwand kommen, noch zu Durchströmungen warmer Raumluft durch die Fachwerkwand. Anderenfalls kann Tauwasser infolge wasserdampfreicher Luftströme an der Außenseite der Fachwerkkonstruktion entstehen, was durch eine niedrige Temperatur infolge außenseitiger Hinterlüftung hervorgerufen wird. Ggf. vorhandene, außen liegende Einströmöffnungen an der Unterseite der Dämmschicht müssen geschlossen werden.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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