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Expertenrat

Wir wollen ein altes Holzständerhaus energetisch modernisieren. Wie gehen wir am besten vor?

Frage von Benjamin K. am 17.08.2022 

Wir haben uns ein Haus von OKAL aus dem Jahr 1979 angeschafft und planen gerade unsere Dämmung. Das Haus ist in Holzständerbauweise errichtet worden. Der Aufbau der Außenwände ist von innen nach außen wie folgt: Spanplatte 16 mm + Folie + Holzständerwerk 116 mm mit Mineralwolle + Spanplatte 8 mm (Gesamtstärke 140 mm) + Holzunterkonstruktion und darauf Asbestzementplatten.

Meine Idee war nun Folgende: Die Asbestplatten nehmen wir ab. Diese werden entsorgt. Aufgrund eines grenzwertigen, gemessenen Formaldehydgehaltes wollen wir die Spanplatten gegen neue OSB-Platten (18 mm innen und 15 mm außen) ersetzen und das Ständerwerk soweit möglich mit Schellack behandeln.

Nun ergaben sich uns dabei folgende Fragen:
Sollten wir die alte Mineralwolle im Holzständerwerk lassen und nach der äußeren OSB-Platte ein neues WDVS anbringen? Hier tendiere ich zu Steinwolleplatten u.
1) Unterspannbahn, Holzunterkonstruktion und Verblender (z. B. Rhombus) oder
2) alternativ Armierung und Rauputz
oder... sollten wir lediglich die alte Mineralwolle im Holzständerwerk durch Steinwolle ersetzen und auf der äußeren OSB-Platte dann einen Verblender anrbingen (bspw. Rhombus)!?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Sie haben zwei gute Möglichkeiten der Verbesserung des baulichen Wärmeschutzes skizziert. Ob die vorhandene Mineralwolle beibehalten werden kann, lässt sich erst nach Öffnung der Konstruktion sagen. Prinzipiell unterscheiden sich Mineralwolle und Steinwolle nicht, allerdings hat die ältere Mineralwolle noch nicht die heute beworbene verbesserte Biolöslichkeit (Kanzerogenitätsindex). Insofern wäre beim Öffnen (und ggf. beim Entsorgen) auf guten Atemschutz zu achten.

Im luftdicht eingeschlossenen und trockenen Zustand ist die ältere Mineralwolle ungefährlich und weiterhin dämmfähig. Eine Erneuerung ist dort angezeigt, wo die Mineralwolle in sich zusammengesackt ist. Allerdings sollte bei einem solchen Eingriff die wärmedämmende Wirkung (+ 10 cm) der Konstruktion insgesamt verbessert werden, wenn dies konstruktiv möglich ist (Dachüberstand, Fenster und Türen). Dafür würde sich sowohl eine geputzte Variante (Wärmedämmverbundsystem) oder eine Konstruktion mit hinterlüfteter Fassade gut eignen. Eine Alternative zur Mineral- oder Steinwolle stellen Holzweichfasermatten dar, die gute bauphysikalische Eigenschaften aufweisen. Eine spezielle Holzfaserdämmplatte wäre auch als äußere Dämmschicht möglich, die armiert und geputzt wird.

Da Sie die innere Spanplatte wegen der Formaldehydemissionen austauschen wollen (Statik beachten!), sollten Sie auch die bisher verwendete Folie entfernen. Mit ihr wurde seinerzeit vermutlich eine sogenannte Dampfsperre ausgeführt, die heute mit diesen Eigenschaften nicht mehr empfohlen wird. Außerdem wurde seinerzeit nicht auf eine hohe Luftdichtheit geachtet, was oftmals zu lokalen Durchfeuchtungsproblemen in der Wandkonstruktion führte. Stattdessen würde heute eine feuchteveriable Dampfbremse luftdicht verlegt werden. Ich empfehle zur fachgerechten Dimensionierung ein Ingenieurbüro einzuschalten, dass sich mit bauphysikalischen Fragen beschäftigt.

Bitte prüfen Sie auch, ob das Holz-Ständerwerk möglicherweise mit Holzschutzmitteln behandelt worden war und welche gasförmigen Emissionen eventuell davon ausgehen.

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Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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