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Expertenrat

Ich hatte im Schlafzimmer Schimmel an zwei Außenwänden unten, vermehrt in den Ecken. Wie bekomme ich die Feuchtigkeit aus dem Raum?

Frage von Dagmar R. am 13.05.2015 

Ich hatte im Schlafzimmer Schimmel an zwei Außenwänden unten, vermehrt in den Ecken. Der Schimmel war nur oberflächlich, ging über die gesamte Wandbreite und ca. 30 cm hoch. Der Schimmel wurde entfernt. Die Wände wurden gemessen. Sie sind trocken, oberhalb 35 %, am Fußboden 55 % Feuchtigkeit. Nachts geht die Temperatur der Wände auf 13,5 - 14,5 Grad. Tagsüber ca 15 -17 Grad.

Der Raum wird seit 3 Wochen nicht mehr zum Schlafen genutzt. Tagsüber hält sich niemand darin auf.

Mit einem Hygrometer wird gemessen, wann es günstig ist zu lüften. Es wird mindestens 2 x per Durchzug gelüftet. Obwohl nur dann gelüftet wird, wenn die Außentemperatur geringer ist als die Innentemperatur und die Luftfeuchtigkeit außen geringer als drinnen, steigt nachts die Luftfeuchtigkeit in dem Raum, gemessen am Fußboden in der Schimmelecke, nach dem Lüften tagsüber und nachts auf ca. 73 %. Und das seit mehreren Wochen. Die Heizung ist aus. Der Raum hat ein doppelverglastes Kunststofffenster.

Der Taupunkt der Wand wird nachts nicht erreicht.

Ich weiß, dass Sie keine Ferndiagnose stellen können, aber haben Sie evtl. Erfahrenswerte, was geprüft werden könnte? Woran es liegt, dass die Feuchtigkeit steigt? Wie bekomme ich die Feuchtigkeit aus dem Raum? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Das von Ihnen beschriebene Schimmelbild deutet auf einen schwach gedämmten Fußboden hin, z.B. Betondecke Erdgeschoß gegen Keller, der auf einer ebenfalls schwach gedämmte Außenwand (Kelleraußenwand) aufgelegt ist. Die von Ihnen angegebene Lüftungsweise (nach Temperatur und relativer Luftfeuchte) ist prinzipiell richtig, jedoch ist bei einer solch gravierenden Wärmebrücke (Geschossdecke/Außenwand) mit hoher Baumasse nur mit einem langsamen Temperaturanstieg des Bauteiles im Frühjahr zu rechnen. Wird Luft nun von außen mit geringerer Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Raum gespült, kann sich die Luft an der massiven und ggf. noch immer kühleren Wärmebrücke weiter abkühlen. Daher kann die relative Luftfeuchtigkeit im Raum wieder ansteigen. Tauwasser muss in einem solchen Fall nicht zwangsläufig entstehen. Aber für das Schimmelwachstum ist auch kein Tauwasser erforderlich. Schon bei einer unmittelbar über dem Substrat liegenden Raumluftfeuchte von etwa 80 % reagieren einige Schimmelpilzarten mit Wachstum.

Es ist in solchen Fällen dafür zu sorgen, dass sich die eingeflossene Außenluft im Raum deutlich erwärmen kann. Die Heizung sollte also nicht "aus" sein, wie Sie schreiben, sondern bei 18 bis 20 °C Solltemperatur eingestellt werden. Mit dieser Zieltemperatur gelingt es auch, dass das über die Wintermonate in den Bauteilen und Einrichtungsgegenständen aufgenommene Wasser allmählich wieder an die Raumluft abgegeben wird. Wenn möglich, bitte mehr als 4 mal mit weit geöffneten Fenstern für vier bis 10 Minuten lüften. Erst wenn sich dann nach Wochen die kritischen Bauteile selbst auf etwa 16 bis 18 °C aufgewärmt haben (und die Schrank- bzw. Zimmertüren aus Holz wieder problemlos schließen lassen!), kann das Thermostatventil zurückgedreht werden. Wird der Raum nicht genutzt, sollten Sie die Tür immer geschlossen halten.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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