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Expertenrat

Wie vermeidet man Wärmebrücken/Kältebrücken beim Übergang von der Massivdecke zur Außenwand?

Frage von Manfred S. am 19.09.2014 

Wie lösen Sie bei der Innendecke das Problem Kältebrücke Decke/Außenwand (Schimmelgefahr)? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

In der Tat stellt dieser Bereich ein bei der Innendämmung oft vernachlässigtes Detail dar. Gerade Massivdecken (Betondecken, Stahl-Stein-Decken o.ä.), die zum Außenputz hin noch keinen Dämmstreifen auf der Stirnseite aufweisen, weisen dann bei winterlichen Außentemperaturen im Auflagerbereich niedrige Oberflächentemperaturen auf. Schon bei Raumluftfeuchten um 60% kann durch die lokal bedingte Abkühlung ein Schimmelproblem an der Deckenunterseite und im oberen Außenwandbereich entstehen. Eine Innendämmung der Außenwand bis zur Decke erhöht die Oberflächentemperatur der Decke im auflagernahen Bereich leider nicht - im Gegenteil. Durch die "Einhausung" der Außenwand mit Dämmstoff wird die Wandoberflächentemperatur insgesamt deutlich abgesenkt, was auch zu einer Reduzierung der "Knotentemperatur", also der Temperatur im Auflagerbereich führt. In der Folge sinkt auch die Deckentemperatur im randnahen Bereich auf kritische Werte. Um also die Innendämmung zu einem thermisch optimalen Abschluss zu bringen, muss durch eine flankierende Maßnahme erreicht werden, dass sich die Deckentemperatur im Auflagerbereich erhöht. Anders ausgedrückt: Die Innendämmung sollte im Auflagerbereich der Decke bis mindestens etwa 30 cm an der Unterseite der Decke in den Raum hinein fortgeführt werden.


Eine optisch befriedigende Lösung ergibt sich durch das Ankleben sogenannter Dämmkeile an die Decke bevor die Innendämmung angesetzt wird. Dämmkeile können aus einem geeigneten Dämmstoff (z.B.Schaumpolystyrol) mittels thermischem Schneidwerkzeug angefertigt werden. Der Schnitt erfolgt so, dass der Keil von etwa 40 mm nach mindestens 30 cm auf etwa 2 mm ausläuft. Der Keil wird in den Eckbereich - mit der starken Seite zur Außenwand zeigend - z.B. mittels Klebemörtel für Wärmedämmverbundsysteme an die Decke geklebt. Im rechten Winkel der Decke sollte auf Gehrung geschnitten werden. Die zum Raum hin auslaufende Spitze an der Decke wird beigespachtelt. Anschließend wird die Innendämmung ausgeführt.


Geht man in dieser Reihenfolge vor, bildet z.B. die Gipskartonplatte einer Verbunddämmung keine Wärmebrücke zur Decke. Man kann die
Gipskartonplatte der Verbunddämmung in der Höhe des Dämmkeiles auch ausschneiden, was aber mit etwas größerem Aufwand verbunden ist. Der Dämmkeil kann übertapeziert oder wie bei einem Wärmedämmverbundsystem geputzt werden. Werden Gardinen bzw. Vorhänge angebracht, kann auch eine Lösung gewählt werden, bei der die Verkleidung der Aufhängevorrichtung den auslaufenden Dämmstoffstreifen an der Decke abdeckt.


Dämmkeile werden vorgefertigt auch mit aufgeklebter Gipskartonplatte angeboten. Nutzen Sie diese Angebote, muss auf einem der beiden Elemente (Dämmkeil oder Innendämmung) die Gipskartonplatte ausgeschnitten werden. Es empfiehlt sich in diesem Fall die Gipskartonplatte der Innendämmung auszuklinken und dann den Dämmkeil dort einzupassen. Die Montagereihenfolge ändert sich dementsprechend. Im Angebot finden Sie auch spezielle Dämmkeile aus kaschiertem PU-Schaum und Keile aus einem Calcium-Silikat-Baustoff. Die grundsätzlichen Montagehinweise und die Ergebnisse sind vom eingesetzten Material jedoch unabhängig.


Ist die Geschossdecke die oberste Geschossdecke zu einem unbeheizten Bereich, sollten Sie unbedingt in Erwägung ziehen, diese Decke zusätzlich von oben zu dämmen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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