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Expertenrat

Ich habe eine alte Zwischensparrendämmung ohne Verkleidung. Lohnt sich ein Austausch und was ist zu beachten, wenn ich das Dachgeschoss ausbauen möchte?

Frage von Tom R. am 16.02.2022 

Ich bin gerade dabei, den Ausbau unseres Dachgeschosses anzugehen, welches sich aktuell noch im Rohbau befindet. Allerdings wurde 1989 bereits eine Zwischensparrendämmung mit 160 mm und WLG 040 (Isover Rollisol-SB) verbaut, aber nicht verkleidet, bis auf einen kleinen Teil im Treppenhaus. D.h. die Dämmung hängt seit gut 30 Jahren frei im Dachgeschoss.

Der aktuelle Aufbau sieht folgendermaßen aus: (von außen nach innen)
Dachsteine, Querlattung, Dachpappe als Unterspannbahn, Holzschalung, 20 cm Sparren.

Da die aktuelle Dämmung mit 160 mm ausgeführt ist, ist dahinter eine Hinterlüftungsebene ausgeführt, welche auch oben am First offen ist. Somit sollte diese ja vermutlich funktionieren.

Es waren in der Zwischenzeit verschiedene Fachmänner hier mit unterschiedlichen Meinungen. Die einen sagen, ich soll die Dämmung runter reißen und neu machen und die anderen sagen ich soll die Dämmung oben lassen, eine neue Dampfsperre mit hohem sd-Wert (100) über die Alufolie verlegen und noch eine 4 cm Untersparrendämmung mit z. B. 032 darunter bauen. Eine komplette Erneuerung wäre rausgeworfenes Geld und würde sich absolut nicht lohnen.

Daraufhin habe ich mir auch mal den U-Wert berechnet mit meiner aktuellen Dämmung und wenn ich diese 1 zu 1 durch 035 oder 032 Mineralwolle ersetze.

Aktuelle Dämmung: U-Wert = 0,307 W/m²K
035: U-Wert = 0,283 W/m²K
032: U-Wert = 0,268 W/m²K

Ergänze ich alle Varianten z. B. noch durch eine Untersparrendämmung von 4 cm mit 032 Mineralwolle erhalte ich folgende U-Werte:

Aktuelle Dämmung: U-Wert = 0,238 W/m²K
035: U-Wert = 0,223 W/m²K
032: U-Wert = 0,214 W/m²K

So gravierend sind also die Unterschiede nicht. Somit ist rein aus der Sicht betrachtet ob sich ein Austausch spürbar lohnt und auch amortisiert wenig sinnvoll.

Wie ist hier die Meinung dazu?

Problematisch ist aber eben die Dachpappe welche nach außen hin auch sehr dicht ist. Deshalb sollte hier nach Meinung der meisten die da waren die Hinterlüftungsebene bleiben und innen auch eine sehr dichte Dampfsperre verbaut werden.

Die Querbalken unterhalb des Firsts sollen dann zusätzlich gedämmt werden, da ich die Decke darunter haben möchte. D.h. die Verlegung der Dampfsperre wird dadurch auch etwas einfacher.

Gibt es hier Bedenken bzgl. der Dachpappe? Sind hier die Hinterlüftung und auch eine Dampfsperre mit hohem sd-Wert wichtig?

Mir geht es in erster Linie darum, dass ich ein funktionierendes System habe welches zukünftig, wenn die Räume beheizt werden, zu keinen Problemen führt. Also keine Feuchtigkeit oder Schimmel der sich bildet. Da aber die Aussagen der Fachleute die da waren auseinandergehen, bin ich mir nicht sicher, wie jetzt der Aufbau richtig wäre. Ein Austausch der Dachpappe von außen ist aktuell ausgeschlossen.

Weitere Eckdaten: Größten Dachflächen (35°) in Richtung Nord und Süd, zusätzlicher Fist mit Ost und West, auf Süd- und Westdach PV-Anlage installiert, Dachfenster werden getauscht.

Antwort von Andreas Skrypietz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)  

Ich würde die bestehende Dämmung nicht ausbauen. Mein Vorgehen wäre: Untersparrendämmung 4 cm mit 032er Mineralwolle und dann eine feuchtevariable Dampfbremse einbauen. Denn die benötigen Sie aus zwei Gründen: zum einen ist die Holzschalung in Kombination mit der Dachpappe ziemlich dampfdicht und zum anderen ist die bereits eingebaute Mineralwolle alukaschiert. Beides führt dazu, dass Feuchtigkeit aus den Innenräumen nur schwer nach außen diffundieren kann. Und noch eins: Dämmen immer so viel wie geht! Ihre Energiekosten werden es Ihnen danken.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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