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Expertenrat

Der Boden im Gartenhaus ist morsch. Wie dämmen wir richtig, um das Problem zu vermeiden?

Frage von Frank N. am 21.03.2022 

Mit sehr großem Interesse habe ich die Antwort von Herrn Nowotka auf die Frage von Rainer F. am 06.03.2018 gelesen. Das könnte auch für unser Gartenhaus passen.

Die Situation: Vor etwa 15 Jahren habe ich ein Beton-Ringfundament 3,5 m x 3,5 m gegossen, auf den Ring Bitumenpappe gelegt und die Tragbohlen für die Wände aufgeschraubt. D. h. aus dem Boden diffundierende Feuchtigkeit kann nur nach oben. Innerhalb des Ringfundaments habe ich den natürlichen Boden nur etwas ausgehoben und 10 cm Schotter festgeklopft. In Aussparungen des Ringfundaments waren zwei dicke Holzbalken eingelegt, um den Bodenaufbau zu tragen. Auf den beiden Balken hatte ich eine Lage Bretter, darauf 4 cm hohe Bohlen. Tja, und dann habe ich tatsächlich über dieses Holz eine PE-Folie gelegt! Zwischen die Bohlen dann Mineralwolle und oben drüber dann noch eine Folie und schön dicht abgeklebt zu den Rändern. Am Schluss dann den Fußboden mit Nut- und Federdielen auf die Bohlen geschraubt.

Ergebnis: Nach einigen Jahren hatte der Fußboden dann in Form langer Mulden stark nachgegeben. Vor ein paar Wochen habe ich nachgesehen: Nach Entfernen der oberen Folie fand ich fast nur noch morsches, zerbröselndes Holz. Auch die Tragbalken waren weitgehend zerstört. Offensichtlich konnte zwischen den beiden Folien die hinein diffundierte Feuchtigkeit nicht mehr weg. Aus diesem Grund bin ich mir jetzt sehr unsicher, ob und wo ich wieder eine dichte Folie einbauen soll.

Neuer Versuch: Nachdem ich alles entfernt habe, habe ich den natürlichen Boden (lehmig, kein Problem mit Grundwasser) noch ein Stück weiter ausgehoben und fest gestampft. Dann den Schotter wieder rein (nur ca. 10 cm) und darauf 5 cm Splitt für ebene Fläche.

Auf den Splitt soll jetzt 10 cm Styrodur (bis Oberkante Ringfundament), darauf noch mal 4 cm Styrodur, das dann auf dem Ringfundament aufliegt und an den Tragbohlen für die Wände anliegt (wäre vielleicht in dieser Dicke nicht nötig, scheint mir aber sinnvoller als vorher noch Betonplatten einzubauen). Auf die obere Styrodur-Schicht wollte ich in kleinen Abständen ca. 3 cm hohe Holzdielen legen und darauf dann die vorhandenen Nut- und Federbretter als Fußboden wieder verschrauben.

Aufgrund des o. g. Ratschlags von 2018 würde ich jetzt auf den Splitt eine dichte Folie (PE-Folie oder PVC-Teichfolie) legen, innen am Ringfundament ein paar cm nach oben schlagen und möglichst zum Ringfundament abdichten (um Feuchtigkeit von unten abzuhalten). Und dann direkt auf die obere Styrodur-Schicht noch eine dichte Folie und zu den Holzbohlen abkleben, damit auch in der warmen Jahreszeit bzw. bei gelegentlicher Nutzung des Gartenhauses keine feuchte Luft in die Dämmschicht kann.

Allerdings habe ich etwas die Befürchtung, dass dadurch wieder evtl. eindringende Feuchtigkeit eingeschlossen werden könnte. Was meinen Sie dazu? Über einen Ratschlag würde ich mich sehr freuen.

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Wenn Sie wirklich ausschließen können, dass die 10 cm starke Styrodur-Schicht nicht aufschwimmen kann (durch hochstehendes Grund- oder Schichtenwasser), können Sie auf dem Splitt eine wasser- und weitgehend dampfdichte Folie (z. B. 0,8 mm Teichfolie) verlegen (ohne eine Betonschicht auszuführen), die an den Rändern möglichst bis auf die Höhe der Bitumenpappe hochgeklappt und mit dieser verklebt (PVC-Kleber bei Teichfolie untereinander) werden sollte. Dann wird die Bodendämmung aus Styrodur lückenlos verlegt und die Verbindungen verklebt.

Die nun von Ihnen noch zusätzlich vorgesehene 4 cm Styrodur-Schicht, sollten Sie am Rand nicht bis auf das Ringfundament auflegen, da Sie davon ausgehen müssen, dass sich Schotter- und Splitt-Schicht noch – wenn auch nur geringfügig – setzen werden. Die gesamte Styrodur-Schicht sollte sich vertikal, und so wie es die Teichfolie ermöglicht, ein wenig bewegen können.

Auf die fertig verklebte Styrodur-Schicht wird eine feuchtevariable Dampfbremse mit einem sd-Wert von etwa 0,25 bis 25 m lückenlos verlegt und untereinander und zu den Rändern hin luftdicht verklebt. Diese feuchtevariable bzw. feuchteadaptive Dampfbremse sichert eine ausreichende dampfbremsende Wirkung bei hoher Innenraumluftfeuchte und lässt eine Rücktrocknung der Konstruktion in Richtung des Raumes zu.

Anschließend ist eine Konstruktion mit Holzbohlen und Dielenbrettern sinnvoll. Auf den Dielenbrettern darf nur ein diffusionsoffener Bodenbelag verlegt werden. Sowohl die vergleichsweise starke Dämmung als auch die Anwendung von feuchtevariablen Dampfbremsen machen nur dann Sinn, wenn das Gartenhaus auch im Winter wenigstens gelegentlich genutzt und beheizt wird.


Kommentare

Frank N.
Einen ganz großen Dank für die Beantwortung meiner Anfrage!
Damit haben Sie mir wirklich sehr geholfen und ich gehe jetzt ganz beruhigt an die Arbeit. Natürlich auf eigene Verantwortung, aber ich bin mir sicher, diesmal wird es deutlich länger halten.
 
Und ein ganz großes Lob an die von Ihnen betriebene Internetseite und natürlich den Expertenrat! Ich hatte bei meiner Suche im Internet keine auch nur annähernd so guten und gerade für Nicht-Experten geeigneten Informationen und Ratschläge gefunden. 
Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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